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Restauration

Mikrofriktion

Entfernung von Retouchen und Überlackierungen mittels der Micro Friction Methode Johannes Leuthold und Julia van der Waerden

Die Micro Friction Methode

Die Micro Friction Methode (Luftfeinstrahlmethode) kann für die Entfernung von Retouchen und Überlackierungen bei Streichinstrumenten sehr effektiv und sicher eingesetzt werden.

Viele Geigen, Bratschen oder Celli wurden im Laufe der Zeit teilweise oder ganz überlackiert. Gründe dafür waren Beschädigungen wie Risse oder abgenützte Stellen, zu wenig glänzender Originallack (der Mode unterworfen) oder dass der Lack nicht dem Geschmack des Eigentümers oder Verkäufers entsprach.

Die Reinigung und das Polieren der Lacke stellt heute einer der Hauptgründe für die Zerstörung von Originallacken dar, da viele Reinigungsmittel Lösungs- oder Schleifmittel enthalten. Heute versucht man, möglichst viel von diesen alten Retouchen wieder zu entfernen und die ursprünglichen Lackschichten, den sogenannten Originallack, hervorzuholen.

Da der Holzgrund des Instruments meistens vorbehandelt ist, d.h. grundiert wurde, ist es schwierig, ein Lösungsmittel zu finden, welches die meist weicheren unteren Schichten und die Grundierung nicht angreift. Ausserdem bestehen die Retouchen zu einem grossen Teil aus Schellack, welcher mit den Jahren bekanntlich sehr hart und schwer löslich wird.

Deshalb wird oft versucht, die Schichten mechanisch zu trennen, was meistens mittels eines Messers, eines Skalpells oder mit Ziehklingen erfolgt. Dieses Vorgehen ist allerdings zu unpräzis und grob. Aus diesem Grund haben wir versucht, eine Methode zu finden, die präziser und weniger heikel anzuwenden ist.

Brechen oberer Schichten

Mit Hilfe von Herrn Pierre Boissonnas und der Firma Deffner & Johann sind wir mit dem Feinstrahler vertraut geworden. Herr Ruedi Oberhänsli von der Firma Wülsag hat sich ausserdem viel Zeit genommen, uns mit dieser Materie weiterzuhelfen.

Wir haben lange versucht, ein geeignetes Strahlmittel zu finden und haben festgestellt, dass wir mit sehr feinem, aber kantigem Strahlmittel die besten Resultate erzielen. Eine grosse Hilfe dabei waren die verschiedenen UV-Spektren (Multispektralanalysenlampe).  

Mit der Micro Friction Methode wird versucht, die oberen Schichten, die oft sehr hart und brüchig sind, mit dem Feinstrahler zu brechen, damit diese sich von den weicheren Lackschichten lösen. Herr Boissonnas beschreibt in seiner Publikation für das ICOM Committee for Conservation aus dem Jahr 1987 überzeugend, mit welchen Problemen man betreffend dem Untergrund konfrontiert sein kann.  

Anders als bei der Restauration von Ölgemälden, bei der die Farbe auf einem flexiblen Grund (Leinwand) aufgetragen wird, hat man es bei Streichinstrumenten mit einem wenig flexiblen Untergrund (Holz) zu tun. Durch die falsche bzw. unprofessionelle  Anwendung der Micro Friction Methode in der Streichinstrumentenrestauration kann, wenn nicht kompetent gearbeitet wird, grosser Schaden am Originallack entstehen.

Die Handhabung verlangt viel Geduld, der Luftdruck sowie die Strahlmittelmenge müssen auf ein Minimum angesetzt werden und auch der Winkel, mit dem die Düse gehalten wird, ist ausschlaggebend für das Resultat.

In der Praxis

In der Praxis mussten wir feststellen, dass das Abtragen der Retouchen eine grosse Herausforderung darstellt. Oftmals löst sich nicht die gesamte Schicht. In solchen Fällen hat es sich deshalb bewährt, die zu entfernende Schicht nur teilweise mit dem Feinstrahler abzutragen, die Retouchen aufzubrechen und danach, wenn nötig, mit anderen Hilfsmitteln weiter zu arbeiten. Meist ist dieses Aufbrechen jedoch schon sehr hilfreich, weil die harte Schicht dadurch ihre gläserne Oberfläche verliert.

Der intensive Hautkontakt (Halspartie und Hände) mit dem Nutzer des Instrumentes stellt für den Lack eine hohe Belastung (Schweiss) dar. Deshalb ist es von Vorteil, wenn der Originallack geschützt wird, und eine gewisse Schicht über dem originalen Lack bestehen bleibt. Es ist gewiss nicht zwingend, sämtliche Retouchen zu entfernen, wichtig ist es vielmehr, das Erscheinungsbild schön, dem Original entsprechend und mit etwas Patina zu gestalten.

Es gibt jedoch auch Lacke, die auf die Micro Friction Methode nicht reagieren: Dies erkennt man sehr schnell, wenn der Lack unberechenbar reagiert. In diesen Fällen muss auf andere Methoden zurückgegriffen werden. Im gleichen Verfahren kann auch eine notwendige, neue Retouche an den Originallack angepasst werden.

Damit sich die retouchierte Stelle an den Originallack angleicht und nicht zu ebenmässig glänzt, sondern dieselbe Oberflächenstruktur wie der Originallack aufweist, bewährt es sich, die retouchierte Stelle mit dem Feinstrahler sehr fein und oberflächlich zu behandeln und damit zu mattieren. Dies bricht auch hier die Oberfläche und lässt eine Patina entstehen, die dem Originallackbild entspricht.